Ich bin Yami.
Ich bin ein großer Kater – viel größer, als man es mir manchmal zutraut, wenn ich mich vorsichtig in eine Ecke drücke und so tue, als wäre ich unsichtbar. Schüchtern bin ich, ja. Und oft auch unsicher. Aber das hat seine Gründe, auch wenn nicht jeder sie auf den ersten Blick versteht.
Ich bin als Fundtier gekommen. Niemand hat nach mir gesucht. Niemand hat mich vermisst. Das ist ein seltsames Gefühl, wenn man einfach irgendwo auftaucht und merkt, dass die eigene Geschichte vorher schon irgendwo abgebrochen ist. In meinem Gesicht, besonders an meinen Wangen, trage ich Spuren davon. Alte Verletzungen, die erzählen, dass das Leben draußen nicht immer freundlich war.
Eine Zahnreinigung habe ich auch hinter mir. Dabei musste ich viele meiner Zähne lassen – meine Canini sind alle weg. Das macht manches schwerer, als es früher vielleicht war, aber ich komme zurecht. Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein. Sanft mit mir selbst und mit der Welt.
Und trotzdem… ich bin hier. Ich beobachte. Ich lerne. Ich brauche Zeit, viel Zeit vielleicht. Aber irgendwo in mir steckt ein Kater, der wieder Vertrauen fassen kann. Kein lauter Held, eher einer, der leise wächst.
Mit Geduld, Ruhe und einem sicheren Platz werde ich nicht mehr nur der schüchterne große Kater sein, sondern einfach Yami – und vielleicht irgendwann ein sehr guter Freund.


